Windenergie im Schreiadler-Lebensraum

Der Ausbau der Windenergie in Deutschland schreitet ungebremst voran. Ende 2015 waren an Land fast 26.000 Windkraftanlagen installiert. Doch nach den Plänen der Bundesregierung und vieler Bundesländer soll der Ausbau der Windenergienutzung noch weitergehen. Deutschlands erklärtes politisches Ziel zur Erreichung der Klimaziele soll unbedingt erreicht werden! Nach einer Studie des Frauenhofer Instituts für Windenergie und Energiesystematik werden die Ausbaupotenziale mit bis zu 22 % der Bundesfläche angegeben. Mit der Zahl der Windenergieanlagen (WEA) ist in den letzten Jahren auch das Kollisionsrisiko für viele Großvogelarten deutlich gestiegen.

Mindestens fünf Kollisionen von Schreiadlern mit Rotorblättern sind mittlerweile dokumentiert (Stand 2016), die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

Dass für den Erhalt der kleinen Restpopulationen des Schreiadlers jedes Individuum einen hohen Wert besitzt, ist offensichtlich und wurde durch eine Populationsmodellierung aus Brandenburg belegt (Langgemach & Böhner 2011).

Schreiadler meiden die Nähe von WEA aber vor allem aufgrund der vielen Störungen, die durch den Betrieb der Anlagen entstehen. Von den WEA geht nicht nur eine direkte Scheuchwirkung aus, sondern sie könnten auch die Gefahr einer großräumig wirkenden Habitatverfremdung bewirken. Durch eine Studie von SCHELLER (2007) konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Bruterfolg und dem Index aus Anzahl von WEA und Entfernung der WEA zum Brutplatz innerhalb des Hauptaktionsraumes der Schreiadler von bis zu drei Kilometer um den Brutplatz festgestellt werden. Außerhalb des Hauptaktionsraumes war dieser signifikante Zusammenhang nicht nachweisbar.

WEA können zu einem beträchtlichen Verlust des Anteiles an Nahrungsflächen innerhalb des Hauptaktionsraumes führen.

Da Schreiadler in ihren Brutgebieten ein unterschiedliches Potenzial an nutzbaren Flächen in den Hauptaktionsräumen zur Verfügung haben, können die Auswirkungen auf die Lebensraumqualität ein unterschiedliches Ausmaß erreichen. Da immer intensivere Bewirtschaftungsweisen in Land- und Forstwirtschaft in vielen Schreiadler-Brutrevieren zu schlechteren Lebensraumbedingungen führen, sind die Brutplätze mit ihrem Umfeld von möglichst sechs Kilometern von weiteren Belastungen zu verschonen, um den Schreiadlern ausreichende Nahrungsressourcen zu sichern.

Das „Neue Helgoländer Papier“

Die Umweltminister der Bundesländer haben im Frühjahr 2015 die Freigabe des sogenannten „Neuen Helgoländer Papiers“ der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG VSW) beschlossen. Das Papier formuliert Abstandsempfehlungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie zu den Brutplätzen ausgewählter Vogelarten. Für den Schreiadler wird ein Abstand von 6.000 m zum Brutplatz empfohlen. Damit hat sich sein empfohlener Schutzbereich deutlich erweitert, denn davor wurde der Bereich zwischen 3.000 und 6.000 Meter lediglich als Prüfbereich formuliert. Das „Neue Helgoländer Papier“ spiegelt den neuesten Stand der Forschung zur Gefährdung von Vögeln durch Windkraftanlagen wider und bildet damit auch einen fachlichen Rahmen zur Genehmigung von WEA. Die Länder können im Genehmigungsverfahren für WEA jedoch von den Empfehlungen abweichen.

Das „Neue Helgoländer Papier“ finden Sie hier.

Zerstörung von Horsten im Planungsbereich von Windkraftanlagen

Leider kommt es in Planungsgebieten für Windkraftanlagen (WKA) immer wieder zu illegalen Nest- oder Horstbaumzerstörungen von Greifvögeln. Der Grund für die mutwilligen Zerstörungen sind Auflagen, nach denen das Vorkommen von geschützten Arten die Zulassung der WKA verhindert oder erschwert. Betroffen sind neben dem Schreiadler auch Rotmilane und Seeadler, Schwarzstörche, Baumfalken oder auch der Uhu. Obwohl es sich dabei um Straftaten handelt, die mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden können, liegt die Aufklärungsquote nahezu bei Null.

Das wahre Ausmaß des Horstzerstörungen und illegale Tötungen bleibt unerkannt.

Die Deutsche Wildtier Stiftung ruft seit einigen Jahren gemeinsam mit weiteren Institutionen dazu auf, Fälle von Verfolgung geschützter Arten und besonders illegale Zerstörungen von Großvogelhorsten oder Fledermausquartieren bekannt zu machen. Seither wurden erschreckend viele Fälle gemeldet, die durch Zeugen, Fotos oder ähnliches belegt waren. Artenschutzrechtliche Verstößen im Zusammenhang mit der Windenergie können auch weiterhin über die Deutsche Wildtier Stiftung gemeldet werden.

Eine Übersicht zum Artenschutz in Zusammenhang mit dem Ausbau der Windenergie in Deutschland und ein Meldeformular für Verdachtsfälle der illegalen Horstzerstörung finden Sie hier.

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