Gefährdung durch Windenergieanlagen

Die Zahl der Windenergieanlagen (WEA) ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Neben Fledermäusen sind davon besonders Greifvögel betroffen, die mit den Rotorblättern kollidieren. Bereits drei Kollisionen von Schreiadlern mit Rotorblättern sind dokumentiert, von denen zwei tödlich endeten. Zwei der Vögel trugen Ringe und wurden wahrscheinlich nur deshalb gemeldet. Dies unterstreicht den Verdacht einer Dunkelziffer gefundener, aber nicht gemeldeter Vögel. Dass für den Erhalt der kleinen Restpopulationen des Schreiadlers jedes Individuum einen hohen Wert besitzt, zeigt eine Populationsmodellierung aus Brandenburg (Langgemach & Böhner 2011).

 

Schreiadler meiden die Nähe von WEA aber vor allem aufgrund der vielen Störungen, die durch den Betrieb der Anlagen entstehen. Von den WEA geht nicht nur eine direkte Scheuchwirkung aus, sondern sie könnten auch die Gefahr einer großräumig wirkenden Habitatverfremdung bewirken. Durch eine Studie von Scheller (2007) konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Bruterfolg und dem Index aus Anzahl von WEA und Entfernung der WEA zum Brutplatz innerhalb des Hauptaktionsraumes der Schreiadler von bis zu drei Kilometer um den Brutplatz festgestellt werden. Außerhalb des Hauptaktionsraumes war dieser signifikante Zusammenhang nicht nachweisbar.

 

WEA können zu einem beträchtlichen Verlust des Anteiles an Nahrungsflächen innerhalb des Hauptaktionsraumes führen. Da Schreiadler in ihren Brutgebieten ein unterschiedliches Potenzial an nutzbaren Flächen in den Hauptaktionsräumen zur Verfügung haben, können die Auswirkungen auf die Lebensraumqualität ein unterschiedliches Ausmaß erreichen. Da immer intensivere Bewirtschaftungsweisen in Land- und Forstwirtschaft in vielen Schreiadler-Brutrevieren zu schlechteren Lebensraumbedingungen führen, sind die Brutplätze mit ihrem Umfeld von möglichst sechs Kilometern von weiteren Belastungen zu verschonen, um den Schreiadlern ausreichende Nahrungsressourcen zu sichern.

 

Das „Neue Helgoländer Papier“

Auf ihrer Konferenz im oberfränkischen Kloster Banz haben die Umweltminister der Bundesländer im Frühjahr 2015 die Freigabe des sogenannten „Neuen Helgoländer Papiers“ der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG VSW) beschlossen. Das Papier formuliert Abstandsempfehlungen für Windenergieanlagen (WEA) zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie zu den Brutplätzen ausgewählter Vogelarten. Für den Schreiadler wird ein Abstand von 6.000 m zum Brutplatz empfohlen. Damit hat sich sein empfohlener Schutzbereich deutlich erweitert, denn bisher wurde der Bereich zwischen 3.000 und 6.000 Meter lediglich als Prüfbereich formuliert. Das „Neue Helgoländer Papier“ spiegelt den neuesten Stand der Forschung zur Gefährdung von Vögeln durch Windkraftanlagen wider und bildet damit auch einen fachlichen Rahmen zur Genehmigung von WEA. Die Länder können im Genehmigungsverfahren für WEA jedoch von den Empfehlungen abweichen.

 

Das „Neue Helgoländer Papier“ finden Sie hier.

 

Mehr zu den Auswirkungen der Windenergie auf  die Artenvielfalt finden Sie auf der Seite www.naturwende.de.