Das Schreiadler-Lebensraum-Projekt

Um den verbliebenen Brutbestand des Schreiadlers in Deutschland vor dem Aussterben zu bewahren, erprobt die Deutsche Wildtier Stiftung seit 2010 in fünf ausgewählten Brutgebieten in Mecklenburg-Vorpommern, wie eine Schreiadler-gerechte Landnutzung in die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe integriert werden kann. Die jeweils rund 50 Hektar großen Offenland- und Waldflächen liegen im Naturpark Feldberger Seenlandschaft und im Landkreis Rostock in der Nähe von Teterow. Grundsatz im Projekt ist die Zusammenarbeit mit Land- und Forstwirten auf freiwilliger Grundlage und ein Ausgleich von wirtschaftlichen Nachteilen.

 

BfN+Land-FörderhinweisDas Projekt mit dem offiziellen Titel „Sicherung und Optimierung von Lebensräumen des Schreiadlers in Mecklenburg-Vorpommern“ wird vom Bundesamt für Naturschutz als sogenanntes Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert. Daneben erfolgt eine maßgebliche Förderung durch das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Klara Samariter-Stiftung. Es wird in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Feldberger Seenlandschaft (Dr. Peter Wernicke) und dem Büro Salix (Dr. W. Scheller) durchgeführt.

 

Ackern für den Adler

In den Projektgebieten wird die Nahrungssituation der Schreiadler, die ihre Beute überwiegend im landwirtschaftlich genutzten Offenland im Umkreis von 3 km um den Horst herum suchen, durch die Umwandlung von Ackerland in Grünland oder Brachen verbessert. Auch die Anlage von Waldrandstreifen und die Renaturierung von Kleingewässern helfen dem Schreiadler, mehr Beutetiere zur Aufzucht des Jungadlers zu finden.

 

Die noch als Schreiadler-Lebensraum geeigneten Teile des Brutwaldes wurden im Rahmen des Projektes zu sogenannten „Waldschutzarealen“ zusammengefasst. Je nach Waldtyp werden diese Gebiete nur sehr eingeschränkt oder auch gar nicht forstwirtschaftlich genutzt. Ein schreiadlergerechter Umgang der verschiedenen Waldtypen wurde bereits gemeinsam mit der Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommern erarbeitet. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes wird unter anderem in zwei Brutgebieten die Dichte von Kleinsäugern erfasst.

 

Ein Modellvorhaben für den Schreiadler

Das Ergebnis des Projektes ist ein Modell, das auf alle noch vorhandenen Brutgebiete in Deutschland übertragen werden kann. Dafür haben die Projektpartner auch Vorschläge für eine Schreiadler-gerechte Gestaltung von öffentlichen Förderinstrumenten erarbeitet. Denn der Schutz des Schreiadlers ist nicht allein Aufgabe der betroffenen Land- und Forstwirte. Ihr Einsatz für den Artenschutz soll sie nicht wirtschaftlich benachteiligen – im Gegenteil, die Bewahrung der Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft ist eine zu honorierende Dienstleitung von Landnutzern für die gesamte Gesellschaft. Die Neugestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP) ab dem Jahr 2014 bietet die Chance, im Rahmen der ländlichen Entwicklung gezielt Naturschutzprogramme zum Schutz der letzten Schreiadler-Lebensräume aufzulegen.