Der kleine Unterschied macht‘s

Nach Schätzungen bliebe der Brutvogelbestand der Schreiadler schon bei einem 7 bis 10 % höheren Bruterfolg, das heißt für Brandenburg bei zwei bis drei erfolgreichen Paaren pro Jahr mehr, in den nächsten fünfundzwanzig Jahren stabil. Schon bei jährlich fünf zusätzlichen Jungvögeln in 25 Jahren wäre ein Bestandsanstieg um die Hälfte zu erreichen. Das sagen jedenfalls die Experten Dr. Jörg Böhner und Dr. Torsten Langgemach.

 

Dennoch ist der Schreiadler hierzulande auf dem absteigenden Ast. In Sachsen-Anhalt hat der Schreiadler im vergangenen Jahr seinen letzten Horst aufgegeben. Somit brüten nur noch in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg die letzten Schreiadler Deutschlands.

Der Name ist Programm

Karl oder Heinz? Eva oder Maria? Der Vorname sollte auf jeden Fall zum Familiennamen passen: Und der ist Schreiadler – oder lateinisch-vornehm Aquila pomarina! „Elvis“ Schreiadler wäre eine Option. Vom Stimmvolumen her gesehen, kann der Jungvogel es noch nicht mit dem legendären Megastar aufnehmen. Aber wenn der „Schrei“ des erwachsenen Adlers dem Tier dann alle Ehre macht, kämen wir der Sache schon näher. Bei „Wilhelm-Alexander“ könnte gekrönten Häuptern in den Niederlanden eventuell ein Zacken aus der Krone springen. Doch die Mitarbeiter der Deutschen Wildtier Stiftung haben den Namen ausgewählt. Auch „Flocke“ und „Pepe“ sowie „Truman“ sind im Rennen. „Truman“ war übrigens Hauptdarsteller in dem Film „Die Truman Show“ – er wusste als einziger nicht, dass der gefilmt wurde…! Erinnert Sie das an das Schreiadler-Küken?
Wählen Sie selbst – bis zum 14. Juli haben Sie zwischen fünf Vorschlägen die Wahl und können dem Küken einen Namen geben.

 

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Hitze im Horst: Schreiadler-Küken bekommt Sonnenschirm

Während der Sommer in Deutschland derzeit ins (Regen-)Wasser fällt, ist es am Drehort von Adler-TV im Naturreservat Teici sehr heiß. Seit Tagen klettern die Temperaturen tagsüber bis auf 30° Grad, nachts kühlt es nur unmerklich ab. Das macht auch dem Schreiadler-Küken zu schaffen: Wie die Bilder der Webcam zeigen, schläft das Küken viel. „Mama“ Schreiadler versucht den Nachwuchs hin und wieder vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen, indem sie mit den Flügeln eine Art „Sonnenschirm“ bildet, unter den der Jungvogel schlüpfen kann. Abkühlung ist allerdings in Sicht. Donnerstagabend werden in Teici Regen und Gewitter erwartet (mit Kameraausfällen ist zeitweise zu rechnen). Ab Freitag soll es auf 24 Grad abkühlen.

Schreiadler wachsen schnell

Mit Fröschen, Feldmäusen und Maulwürfen zum „Pilotenschein“

Man kann förmlich zuschauen, wie schnell Schreiadler-Küken wachsen! Schon nach zwei Tagen wog der Jungvogel ungefähr 90 Gramm. Jetzt ist aus dem „Feder-Bällchen“ ein etwa 280 Gramm schweres Küken geworden. Bereits nach zwei Wochen wiegen untersuchte Jungvogel ungefähr das Vierfache ihres Ursprungsgewichts.
Mittlerweile bringt nicht nur Vater Schreiadler Nahrung in den Horst. Auch die Mutter verlässt nun häufiger den Nachwuchs, um Beute zu jagen. Besonders Frösche, Feldmäuse und Maulwürfe hat das Schreiadler-Küken zum Fressen gern – und wächst bei diesen Delikatessen in rasender Geschwindigkeit. Doch noch wird es einige Wochen dauern, bis der Jungvogel groß genug ist, um zum Ästling zu werden. Dann ist er zwar noch nicht flügge, traut sich aber auf Äste, um von dort von Mutter und Vater weiter versorgt zu werden.

Kainismus im Schreiadler-Horst

Die Gründe für Kainismus sind bis heute nicht abschließend geklärt. Das Phänomen ist unabhängig vom Ernährungszustand der Küken. Es könnte sein, dass das Zweitgeborene von der Natur als eine Art Reproduktionsreserve für besonders nahrungsreiche Jahre vorgesehen ist. In diesen extrem seltenen Fällen bleibt der Aggressionstrieb aus und beide Küken werden aufgezogen. Das Küken aus dem Adlerhorst herauszuholen, würde beide Jungvögel gefährden, denn Schreiadler reagieren sehr sensibel auf Störungen.

Schreiadler-Nachwuchs sucht Namen

Der Schreiadler-Nachwuchs ist jetzt zehn Tage alt und soll einen Namen bekommen. Bis zum 30. Juni 2013 können Sie an dem Namenswettbewerb teilnehmen. Unter allen Teilnehmern verlosen wir das Buch „Schreiadler – Vogel ohne Lebensraum“ von Dr. Peter Wernicke.

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Wo leben die meisten Schreiadler?

Mit rund 3.500 Brutpaaren gehört Lettland zum Kerngebiet der Schreiadler-Verbreitung in dem ca. 20-22 % der Welt-Population leben. Und auch die weltweit höchste lokale Siedlungsdichte konnte im Jahr 2003 in Lettland festgestellt werden: Auf einem Areal von 100 km² brüteten 32 Schreiadlerpaare. Zum Vergleich: In Deutschland brüteten insgesamt 2012 nur noch 108 Schreiadler-Paare. Seit Beginn der 1990er Jahre hat Brandenburg ein Drittel seines Brutbestandes an Schreiadlern verloren. In Sachsen-Anhalt gilt der Schreiadler seit vergangenem Jahr als ausgestorben.

Leider ist aber auch in Lettland für die Zukunft eine weitere Abnahme der Brutpaare zu erwarten. Nachdem die Privatwälder bereits seit Mitte der 1990er Jahre intensiv genutzt werden, setzte eine intensive Bewirtschaftung von staatlichen Wäldern erst in den letzten Jahren ein. Mit dem Beitritt zur EU und dem Anschluss an die gemeinsame Agrarpolitik folgte auch eine Intensivierung der Landwirtschaft die noch lange nicht abgeschlossen ist. Damit sind die Lebensraumbedingungen der Schreiadler in Lettland insgesamt gefährdet.

Nachwuchs bei Familie Schreiadler: Das erste Küken ist geschlüpft!

Schreiadlerküken im Nest, Aquila pomarinaNachdem „Frau“ Schreiadler 34 Tage gebrütet hat, ist am Sonntag, den 09.06.2013 das erste von zwei Küken geschlüpft. Noch ist der Nachwuchs nur ein winziges Federbällchen mit großen Augen. Die meiste Zeit verbirgt sich das Küken unter dem schützenden Altvogel. Nur hin und wieder riskiert der Winzling einen Blick in die Welt – und in die Kameralinsen von „Adler-TV“. Denn wie aus dem kleinen Küken ein stolzer Schreiadler wird, können Sie live per Mausklick über www.schreiadler.org mitverfolgen. „Adler-TV hat schon eine richtige Fan-Gemeinde“, sagt Dr. Andreas Kinser, Koordinator des Schreiadler-Schutzprogramms der Deutschen Wildtier Stiftung. „Wer einmal per Web-Kamera in den Adlerhorst geblickt hat, kann sich der Faszination nicht mehr entziehen. Wir alle sind gespannt, wie sich der Nachwuchs entwickeln wird.“ In den nächsten Tagen wird vermutlich der zweite Jungvogel schlüpfen.

 

Damit aus dem Küken ein stolzer Jungvogel wird, schaffen die Altvögel Frösche oder kleine Säugetiere wie Mäuse und Maulwürfe in den Adlerhorst, der sich im lettischen Naturreservat Teici befindet. Im Rahmen des Schreiadler-Schutzprogramms arbeitet die Deutsche Wildtier Stiftung dort mit Dr. Bergmanis zusammen, der auch die Web-Kamera installiert hat. „Der Blick in die Kinderstube des Schreiadlers ist nicht nur ein Vergnügen, sondern liefert wichtige Erkenntnisse über die Küken-Nahrung der stark gefährdeten Adler-Art“, sagt Dr. Andreas Kinser. Dank dieser Informationen können auch effektive Schutzmaßnahmen entwickelt werden, die vor allem in Deutschland nötig sind. Nur noch knapp 100 Paare brüten in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg und der Schreiadler ist bei uns damit vom Aussterben bedroht. Gemeinsam mit Land- und Forstwirten entwickelt die Deutsche Wildtier Stiftung eine schreiadlerfreundliche Landbewirtschaftung, die nicht zu wirtschaftlichen Nachteilen bei den Betrieben führt.

Was Schreiadler zum Fressen gern haben

Was steht auf dem Speiseplan eines Schreiadlers? Die Aufzeichnungen der Web-Kamera haben im letzten Jahr gezeigt, dass Frösche (51 %) und Feldmäuse (32 %) den größten Nahrungsanteil ausmachen. Einen der Anzahl nach geringen Anteil nehmen Maulwürfe ein (5 %), sie sind jedoch mit Blick auf ihre Biomasse eine ebenfalls bedeutsame Nahrungsquelle. Doch wie sieht es mit der Nahrung im Winter aus, wenn sich Schreiadler im südlichen Afrika aufhalten?

 

Im Januar 2010 konnten besenderte Schreiadler im Krüger-Nationalpark in Südafrika beobachtet werden. Dabei zeigte sich, dass eine wichtige Nahrungsquelle des Schreiadlers die Nestlinge des sogenannten Blutschnabelwebers, einer weit verbreiteten Singvogelart in Afrika, darstellen.

 

Eine weitere wichtige Nahrungsquelle sind Termiten. Dabei ist auch diese Jagdweise nicht mit der Nahrungssuche in den hiesigen Brutgebieten vergleichbar: Die Schreiadler sitzen am Fuß der bis zu sieben Meter hohen Termitenhügel und warten, bis Termiten den Hügel verlassen. Da Termiten sehr proteinreich sind, ist diese Nahrungsaufnahme sehr effektiv.

Woher hat der Schreiadler eigentlich seinen Namen?

Der Schreiadler verdankt seinen Namen dem klangvollen „tjück“-Rufen und ist grundsätzlich ein sehr ruffreudiger Vogel. Sein Ruf ist in etwa so laut, wie das Bellen eines Hundes. Der kleinste in Deutschland heimische Adler wird aber nach seinem Verbreitungsschwerpunkt bei uns auch Pommernadler genannt. Sein lateinischer Name lautet auch daher Aquila pomarina.