Hohe Seeadler-Dichte ohne Nachteile für Schreiadler

Kleinere Greifvögeln verlassen häufig ihre Brutgebiete, wenn deutlich stärkere Greifvögel ihren Lebensraum ebenfalls zu nutzen beginnen. Vor diesem Hintergrund ist mit dem starken Anwachsen der Seeadler-Populationen (Haliaeetus albicilla) in den vergangenen Jahren auch ein Einfluss auf kleinere Greifvögel und dabei besonders auf den Schreiadler (Clanga pomarina) zu erwarten. Wissenschaftler des Nature Research Centre in Vilnius (Litauen) haben untersucht, wie sich Habitatüberlappung und räumliche Verteilung von See- und Schreiadlerbruten auf den Fortpflanzungserfolg des nur ein Drittel so großen Schreiadlers in Gebieten nahe der Ostsee auswirken. In den untersuchungsgebieten war die Seeadlerdichte besonders hoch.

Im Vergleich zu den Seeadler-Horsten gab es um die Brutplätze der Schreiadler herum weniger Gewässer, gleichzeitig nutzten sie landwirtschaftliche Flächen und Brachen bzw. Ödland häufiger als die Seeadler. Unabhängig von ihrem Abstand zum nächst gelegenen Seeadler-Horst kehrten die Schreiadler jedes Jahr zu ihren traditionellen Brutplätzen zurück. Der Reproduktionserfolg der Schreiadler-Paare war dabei unabhängig sowohl von der Entfernung zum nächstgelegenen Seeadlerpaar als auch dessen Bruterfolg oder die Anzahl von Seeadler-Paaren innerhalb eines Umkreises von 3 km um den Schreiadler-Brutplatz. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass zumindest im untersuchten litauischen Gebiet Schreiadler keine Nachteile durch die Koexistenz mit Seeadlern hatten.

Zu der Studie von Dementavičius et al. gelangen Sie hier:

Dementavičius, D.; Rumbutis, S.; Vaitkuvienė, D.; Dagys, M. & Treinys, R. (2019): No adverse effects on Lesser Spotted Eagle breeding in an area of high White-tailed Eagle density. Journal of Ornithology volume 160: 453–461

Winterzug Jungvögel Schreiadler

Junger Schreiadler überwintert auf Sizilien

Ein junger Schreiadler aus dem aktuellen Jungvogelmangement-Projekt in Brandenburg hat den Winter 2019 auf Sizilien verbracht. Es handelt sich um ein Zweitjunges („Abel“), welches im Frühjahr 2018 dem Horst entnommen wurde, weil zweitgeborene Schreiadler im eigenen Horst aufgrund des sog. „Kainismus“ praktisch keine Überlebenschance haben. Die Weltarbeitsgruppe Greifvögel & Eulen engagiert sich bereits seit 2004 um die Bestandsstützung des in Deutschland stark bedrohten Schreiadlers durch das Jungvogelmanagement, die Deutsche Wildtier Stiftung hat von 2006 bis 2011 ein gleichnamiges Projekt mit Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt umgesetzt. 

Der junge Adler wurde in Gefangenschaft aufgezogen, wobei größter Wert darauf gelegt wurde, dass der Vogel nicht auf Menschen geprägt wird, also jede mögliche Assoziation mit dem Menschen als Ernährer wurde streng vermieden. Der Adler flog dann zusammen mit anderen deutschen und aus Polen stammenden Zweitjungen in der Auswilderungsstation in Brandenburg aus, hatte aber offenbar keinen ausreichenden Kontakt zu erfahrenen älteren Tieren, um die optimale Route über den Bosporus zu erlernen.

Für junge Großgreifvögel, wie Schreiadler, Schlangenadler, Schmutzgeier usw. stellt das Mittelmeer und das Schwarze Meer eine sehr gefährliche ökologische Barriere dar. Sie müssen offensichtlich von fremden Altvögeln – sie ziehen nicht mir ihren eigenen Eltern – die sichere Route insbesondere über den Bosporus erlernen. Die Zugrichtung ist offensichtlich nur sehr grob angeboren und führt zu hohen Verlusten, auch bei den aus den Horsten ausfliegenden Adlern, durch Ertrinken im Meer.

Statt in Richtung Bosporus zog der junge Adler über die Alpen und gelangte schließlich nach Sizilien. Dort flog er zunächst an der Südküste ständig hin und her und auch auf vorgelagerte Inseln. Er hatte ganz offensichtlich das Bestreben nach Tunesien zu fliegen oder über Malta nach Nordafrika. Mehrfach flog er einige Kilometer auf das Meer hinaus, drehte dann aber um. In einem Falle machte er einen großen Überflug über das Mittelmehr von der Westspitze Siziliens aus, drehte aber nur wenig westlich der Insel schnell nach Norden und Osten ab und gelangte nach einem weiten Überflug weit nördlich von Sizilien auf das Festland von Italien, begab sich von da aus aber wieder zurück nach Sizilien. Erst wesentlich später gab er offensichtlich den Mittelmeerüberflug auf und hielt sich mehr im inland auf.

Alle Versuche, den Adler vor Ort zu beobachten, blieben ohne Erfolg. Dazu bewegte er sich viel zu schnell und weiträumig. Allerdings konnte ein zweiter Schreiadler ein mal beobachtet werden ohne Altersbestimmung. Der Adler hat einen kleinen Sender mit extrem hoher Sendeleistung. Meist war der Akku so gut aufgeladen, dass es eine GPS-Ortung pro Sekunde gab (einschließlich Flughöhe, Geschwindigkeit, Aktivitätsdaten usw.).

Übrigens nahmen drei der aus Polen stammenden Jungadler – es konnten leider nicht alle besendert werden – die optimale Route zum Bosporus, zunächst in SE-Richtung abziehend bis in die Westukraien, wo sie nach Süden abdrehen. Alle drei polnischen Adler erreichten die Überwinterungsgebiete im südlichen Afrika.

Dieser Gastbeitrag stammt von Bernd-Ulrich Meyburg (Weltarbeitsgruppe für Greifvögel und Eulen e.V.)

Herzlichen DANK!

GPS-Telemetrie, Greifvögel, Senderdaten

Abgehoben: telemetrierte Schreiadler auf dem Weg nach Europa

Endlich geht es los! Die ersten Schreiadler sind in den vergangenen Tagen in ihren Winterquartieren in Simbabwe, Botswana oder Namibia aufgebrochen und habe die Heimreise nach Europa angetreten. Ob Karin, Magnus oder Mälgandi: Die Zugroute von vier Schreiadlern kann in den nächsten Wochen detailliert verfolgt werden. Sie alle wurden von Ornithologen in Estland mit einem Sender ausgestattet und ihre Ortungsdaten werden auf der Internetseite birdmap ständig aktualisiert.

birdmap

Bis die Schreiadler ihre Brutgebiete in Europa erreicht haben, sind sie mindestens 65 Tage unterwegs. Das ist auch für einen echten Vielflieger kein Spaziergang! Unterwegs legen sie daher regelmäßig längere Flugpausen ein um sich mit Nahrung zu stärken. Ihre bevorzugte Beute sind kleinere Vögel wie beispielsweise die Blutschnabelweber. Sie sind zwölf Zentimeter groß und leben in den Savannen Afrikas. Sie liefern Magnus – und all den anderen Schreiadlern auf ihrem Frühjahrszug Richtung Europa – die nötige Energie für den Langstreckenflug. Neben Nahrungsmangel und Windparks bedroht auch die illegale Jagd den Langstreckenzieher. In manchen Ländern Afrikas und des Nahen Ostens sind Greifvögel noch immer als Trophäe sehr beliebt.

„Überall hier wird auf Schreiadler geschossen“

(Riff Reporter vom 2.10.19) Die Schreiadler befinden sich derzeit auf dem Zug in ihre Winterquartiere im südlichen Afrika. Als sogenannter Thermiksegler nutzten sie die Aufwinde über Land, um weite Strecken ihres Zuges gleiten zu können. Erfahrene Altvögel ziehen aus Deutschland in Richtung Süd-Osteuropa und überqueren mit dem Bosporus die Meerenge zwischen Europa und Kleinasien. Danach passieren die Vögel die Sinai-Halbinsel und erreichen mit der Überquerung des Suezkanal den Afrikanischen Kontinent. Diese enge Zugroute, auf der sich mitunter viele tausend Vögel gleichzeitig massieren, birgt auch eine große Gefahr – den illegalen Abschuss.

Vor allem im Libanon droht Schreiadlern und vielen anderen Vogelarten besondere Gefahr. Dort werden sie von Wilderer abgeschossen oder mit Netzen gefangen. Mehrere Teams des „Komitees gegen den Vogelmord“ sind auch in diesen Wochen vor Ort, um die Lage zu beobachten und mit Hilfe der lokalen Polizei das Schlimmste zu verhindern. Das Team von Einsatzleiter Axel Hirschfeld versucht Wilderer auf frischer Tat zu ertappen, Beweismaterial zu sammeln, Öffentlichkeit herzustellen und Verstöße gegen libanesische Gesetze zur Anzeige zu bringen.

Wie sieht es aktuell aus? Im online-Magazin Riff Reporter hat Thomas Krumenacker einen aktuellen Feldbericht aus dem Libanon veröffentlicht.

 

 

Clanga pomarina Opernale

Clanga pomarina. Die Schreiadleroper hat Premiere

Clanga pomarina: die Oper

Wo wenn nicht in Vorpommern sollte eine Schreiadleroper uraufgeführt werden? Am 10. August ist es soweit: „Clanga pomarina. Die Schreiadleroper“ feiert Premiere im Vogelpark Marlow. Das Stück erzählt die Geschichte eines Schreiadlers von seiner Geburt 2009 in der Nähe von Neubrandenburg bis zu seinem Tod 2017 auf dem Flug in den Süden. Nach umfangreicher Recherche von Presseberichten, Fachartikeln, Interviews mit Ornithologen und den aufgezeichneten Lebensdaten des Schreiadlers „Rainer“, der im Rahmen des Jungvogelmanagementprojektes der Deutschen Wildtier Stiftung 2009 mit einem Sender ausgestattet wurde, entstand eine fiktive Opernhandlung über das Leben des seltenen Greifvogels. Umgesetzt wird das Ganze nicht nur mit den klassischen Mitteln des Musiktheaters – Gesang, Instrumentalmusik und szenische Darstellung – sondern auch durch Figurenspiel.

„Der kleinste Adler „schreit“ in unseren Ohren nach musiktheatralischer Verarbeitung, weil er nicht nur akustisch reizvoll und inspirierend ist, sondern eben auch Themen berührt, die philosophische, gesellschaftliche und weltpolitische Fragen aufwerfen: Klimaschutz versus Vogelschutz, Naturschutz versus Landwirtschaft, Strukturausbau versus Umweltschutz …“ (opernale.de)

Das Werk «Clanga pomarina. Die Schreiadleroper» ist ein Projekt des Instituts Opernale mit Sitz in Sundhagen (Vorpommern-Rügen). Seit 2011 bringt es fast jährlich eine Oper auf ungewöhnliche ländliche Bühnen in Vorpommern. Darsteller sind drei Opernsänger und zwei Puppenspieler. Sie geben dem Adler abwechselnd Gestalt und Stimme. Der Komponist Benjamin Saupe nutzt für die Oper verschiedene Musikstile – Arien, Jazz, arabische Gesänge und Schlager.

TERMINE

Samstag 10. August 19 Uhr          Premiere – Vogelpark, Marlow

Freitag 16. August 20 Uhr             Kirchdorf

Samstag 17. August 20 Uhr          Kirche Starkow

Sonntag 18. August 17 Uhr           Klanghaus am See, Klein Jasedow

Freitag 23. August 20 Uhr             Kirche, Nehringen

Samstag 24. August 20 Uhr          Peter-Tucholski-Haus, Loitz

Sonntag 25. August 15 Uhr           SOS-Dorfgemeinschaft Hohenwieden, Grimmen

Freitag 30. August 20 Uhr             Schloss Kummerow, Gartensaal

Samstag 31. August 20 Uhr          Landhof Trittelwitz

Sonntag 1. September 16 Uhr      Burg Klempenow

Donnerstag 5. September 20 Uhr              Gutshaus Stolpe an der Peene / Haferscheune

Freitag 6. September 20 Uhr        Ribnitz-Damgarten

Samstag 7. September 20 Uhr     Pommersches Landesmuseum, Greifswald

Der Vogelpark Marlow

Der Vogelpark Marlow – im bundesweiten Tierpark-Beliebtheits-Ranking auf Platz drei –  feiert in diesem Jahr 25jähriges Jubiläum und dazu drei Premieren. Er ist erstmals Mitveranstalter der OPERNALE auf Tour und auserkoren für die Uraufführung von „Clanga pomarina. Die Schreiadleroper“ am 10. August. Das war naheliegend, denn ein Schreiadler ist hier zu Hause und ist der einzige in MV, den man garantiert zu Gesicht bekommt.

https://opernale.de/events/festival/
Schreiadler, Kainismus,

Neuer Sendeplatz für Adler-TV

Es müssen dramatische Szenen gewesen sein, die sich Ende Mai am Drehort von Adler-TV in Lettland abgespielt haben: Wie Ugis Bergmanis auf der Website „Latvia State Forests“ berichtete, erschien am Nachmittag des 21.5. ein fremder Schreiadler am Horst, der das brütende Weibchen bald in einen heftigen Kampf verwickelt hat. Die Kampfgeräusche konnten per webcam verfolgt werden. Das im Nest liegende Ei wurde über mehrere Stunden nicht bebrütet bis am Abend das Männchen das Brutgeschäft für einen Nacht übernahm. Am nächsten Morgen kam es erneut zu einem kurzen Kampf zwischen zwei Schreiadlern und danach wurde die Brut des vermutlich bereits abgestorbenen Eis endgültig aufgegeben. Im Laufe des Tages kamen zwar zwei Schreiadler noch einmal zum Horst zurück, jedoch nicht mehr um zu brüten. Seit einem letzten Screenshot des Schreiadlerpaares am 22.5. um 14.25 Uhr ist das Nest verwaist.

Adler-TV webcam

Nachdem Adler-TV so hoffnungsvoll in die neue Brutsaison startete und am 1. Mai ein Ei im Nest lag, ist die Brutsaison in Lettland in diesem Jahr damit leider bereits beendet. Doch zum Glück hat Adler-TV in den vergangenen Jahren einen Nachahmer gefunden: Der estländische Schreiadlerexperte Urmas Sellis hat ebenfalls eine webcam an einem Schreiadlernest montiert. Der Stream wird vom Adler Club Estland produziert und sendet seine Bilder live ins Internet. Und in diesem Horst ist der Nachwuchs bereits am 11.6. geschlüpft! Der männliche Adler in diesem estländischen Horst ist ein alter Bekannter: „Magnus“ wurde bereits 2012 mit einem GPS-Sender ausgestattet und bisher konnten seine Flugrouten bis ins südliche Afrika verfolgt werden. Nun ist es also auch möglich, seine Rolle bei der Aufzucht eines Jungvogels zu beobachten.

Das Gebiet in dem die webcamera aufgebaut wurde, befindet sich im Landkreis Tartu in Estland, In diesem Gebiet wird die Ökologie von Schreiadlern bereits seit Mitte der 1990er Jahre untersucht.

Zu dem neuen Sendeplatz von Adler-TV gelangen Sie hier.

 

die WIESE nautikusfilm polyband

DIE WIESE – ein Paradies auch für den Schreiadler

In den Artenschutzprojekten der Deutschen Wildtier Stiftung geht es um ganz unterschiedliche Tiere: Schreiadler, Rebhuhn, Wildbienen und viele andere. So verschieden diese Arten sind, sie alle benötigen einen Lebensraum, der immer seltener wird: artenreiche Wiesen. Der Verlust solcher Biotope aus Wildkräutern, Blumen und Gräsern ist eine Hauptursache für das Verschwinden kleiner und großer Wildtiere. Die Deutsche Wildtier Stiftung hat deshalb den bekannten Naturfilmer Jan Haft gebeten, mit den Mitteln eines modernen Dokumentarfilms auf dieses brennende ökologische Thema aufmerksam zu machen. Der Kinofilm „DIE WIESE – EIN PARADIES NEBENAN“ feierte nun in Hamburg Premiere. Ab dem 04. April 2019 wird er in vorläufig 99 deutschen Städten im Kino gezeigt! Als Protagonist mit dabei: Der Schreiadler.

In welchen Kinos deutschlandweit der Film gezeigt wird, finden Sie hier.

Artenreiches Grünland ist als Lebensraum für Wildtiere hoch bedroht. Wiesen verschwinden zusehends vor unseren Augen – und mit ihr eine Artenvielfalt, die viele Menschen nicht einmal erahnen. Oder wussten Sie, dass es in Deutschland über 85 Heuschreckenarten gibt? Dass ein heimischer Pilz laut knallt, wenn er sich vermehrt und Feldlerchen-Küken von ihren Eltern mit Gras getarnt werden, das wie ein „Hut“ auf ihren Köpfen liegt?

Gedreht wurde der Kinofilm unter anderem auf einer blühenden Wiese in Mecklenburg-Vorpommern. Dort liegt das Gut Klepelshagen der Deutschen Wildtier Stiftung. Nach 300 Drehtagen – davon verbrachte der Filmer 1.000 Stunden im Tarnversteck – ist ein außergewöhnlicher Dokumentarfilm entstanden. Er soll die Wahrnehmung auf das Wiesensterben in Deutschland lenken, denn: „Dieser Film ist ein Notruf zur Rettung der artenreichen Wiesen“, sagt Professor Dr. Fritz Vahrenholt, Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung.

Grünlandverlust

Dem Umbruch von Grünland hat die Landwirtschaftspolitik mittlerweile enge Grenzen gesetzt. Daher ist das Problem heute weniger der quantitative Verlust von Grünland, sondern die – aus Sicht der Wildtiere – qualitative Verschlechterung. Denn die verbleibenden Wiesen wurden größtenteils in Hochertragsgrünland umgewandelt. Solche Grasäcker werden bis zu fünfmal pro Jahr gemäht. Die Nester am Boden brütender Vögel kommen dabei unter die Räder ebenso wie Amphibien und Reptilien. Häufig wird auch der Nachwuchs von Säugetieren wie Feldhase und Reh beim Mähen getötet.

Durch zu reichliche Düngung wächst das Futtergras üppig und dicht. Dies schafft ein feuchtkaltes Bodenklima, in dem kaum Insekten überleben können. Denn sie brauchen Wärme und Trockenheit. Auch die meisten Wildpflanzen können auf „Grasäckern“ nicht existieren. Eine Ausnahme bildet der Löwenzahn, der bei Überdüngung gut gedeiht.

Der Wandel des Grünlandes hat weitreichende Folgen für die Tierwelt. Die einst typische Fauna der Agrarlandschaft verschwindet. Schmetterlings- und Wildbienenarten werden seltener. Vogelarten der Feldflur, die noch vor kurzem häufig waren, existieren mittlerweile nur noch in Restbeständen. Bei manchen beträgt der Verlust mehr als 90 Prozent. Unter den Verlierern sind neben dem Schreiadler auch bekannte Arten wie Kiebitz und Feldlerche.

Schreiadler-Gerechte Landnutzung

Wer weiss denn sowas? Jürgen Prochnow und der Schreiadler

Wann treffen Kai Pflaume, Bernhard Hoëcker und Jürgen Prochnow auf einen Schreiadler? Genau: Zur besten Sendezeit in der ARD! Der Schreiadler mit seiner außergewöhnlichen Jagdmethode taucht in der Sendung „Wer weiss denn sowas“ als Frage auf. Die Deutsche Wildtier Stiftung hatte der Redaktion zuvor den typischen Ruf des Schreiadlers als Tondatei zur Verfügung gestellt. Ob Hoëcker und Prochnow die richtige Antwort kannten, sehen Sie in der Sendung vom 7. Januar ab Minute 32.11.

Die Internetseite der Sendung „Wer weiss denn sowas“ finden Sie hier. 

 

Tausende Schreiadler im Libanon getötet

Deutsche Wildtier Stiftung fordert: Bundesregierung muss endlich gegen internationale Greifvogeljagd vorgehen

(DeWiSt/ Der Falke) Hamburg, 5. Dezember 2018. Es geschah am 10. Oktober, auf dem Flug in den sonnigen Süden: Ein Schuss – und Schreiadler „Dieter“ aus Mecklenburg-Vorpommern fiel tot vom Himmel. Vermutlich nur, weil Vogeljäger im Libanon eine gefiederte Männlichkeits-Trophäe mit nach Hause nehmen wollten. Wie das Journal „Der Falke“ in seiner Dezember-Ausgabe berichtet, werden schätzungsweise mehrere tausend Schreiadler und unzählige weitere Greif- und Singvögel  jedes Jahr beim Überfliegen des Libanon getötet. „Illegale Abschüsse im Nahen Osten machen unsere Bemühungen zum Schutz des bei uns äußerst seltenen Schreiadlers zunichte“, kritisiert Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung scharf.

Insgesamt brüten nur noch knapp 130 Schreiadler-Paare in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Einer von ihnen war „Dieter“, der einen Sender trug und jedes Jahr im April in sein angestammtes Brutgebiet an die Ostseeküste bei Greifswald zurückkehrte. Hier hat er mit seiner Partnerin drei Jahre lang jedes Jahr einen Jungvogel groß gezogen. Und hier, wo eine intensive Land- und Forstwirtschaft die größten Bedrohungen für die Schreiadler sind, werden seine Lebensräume mit viel Geld und Engagement geschützt. Die Deutsche Wildtier Stiftung verfolgt selbst seit vielen Jahren ein Schreiadler-Schutzprogramm, kauft Flächen und schließt Verträge mit Landwirten und Waldbesitzern, damit die Lebensräume des Schreiadlers erhalten bleiben. „Alle Mühen, den imposanten Greifvogel zu schützen, nützen aber nichts, wenn die Schreiadler von Wilderen einfach abgeschossen werden.“ sagt Kinser.

Nach Recherchen des Komitees gegen den Vogelmord und des Journals Der Falke werden jedes Jahr etwa 5.000 Schreiadler im Libanon getötet . Die Schätzung beruht auf der Auswertung zahlreicher Indizien. Funde abgeschossener Adler, Augenzeugenberichte, Daten beringter und besenderter Vögel, Trophäenfotos und Statistiken von Pflegestationen gingen in die Auswertung ebenso ein wie eine Analyse der Zugintensität- und dichte von Schreiadlern in der Region. „An Tagen mit starkem Durchzug kann es bereits an einem einzigen Konzentrationspunkt zum Abschuss von hunderten Adlern kommen“, warnen Thomas Krumenacker und Axel Hirschfeld, die Autoren des Beitrags im Journal der Falke.

Den Artikel im Journal Der Falke (12/ 2018 Jg. 65) über die Zugvogeljagd im Libanon finden Sie hier.

Bonner Konvention zum Schutz wandernder Arten

Ein Instrument für den internationalen Schutz wandernder Greifvögel ist die Bonner Konvention zum Schutz wandernder Arten. Der darin enthaltenen Erklärung zum Schutz von Greifvögeln (Raptors Memorandum of Understanding) ist der Libanon bereits im Jahr 2015 beigetreten. Für den Artenschutz war dies ein großer Erfolg, den vor allem Thermiksegler wie der Schreiadler nutzen die Küstenlinie des Libanon, um das Mittelmeer zu umfliegen. Seither ist der Libanon jedoch seiner Pflicht zum Schutz der ziehenden Arten in keiner Weise nachgekommen. „Wir fordern die Bundesregierung auf, sich auf internationalem Parkett endlich für ein Ende der illegalen Jagd auf Schreiadler und andere Greifvögel im Nahen Osten einzusetzen.“ sagt Kinser. Die nächste Gelegenheit dazu ist bereits Mitte Dezember: Dann findet ein Arbeitstreffen der Bonner Konvention zum Schutz von Greifvögeln in der Schweiz statt.

Eine Karte der Gebiete, in denen Schreiadler illegal gejagt werden, finden Sie hier. 

Mission Schreiadler in Brandenburg – ein Film des rbb

In Brandenburg hat sich in diesem Sommer ein Filmteam des rbb auf die Spur der Schreiadler begeben. Es begleitete die Menschen, die sich für die letzten etwa 20 Brutpaare in diesem Bundesland engagieren. Mit dabei waren altbekannte Gesichter: Torsten Langgemach, Arno Hinz, Ingo Börner und Bernd-Ulrich Meyburg waren bereits im Jungvogelmanagemetprojekt der Deutschen Wildtier Stiftung die wichtigen Akteure vor Ort. Damals wurden unter anderem über 50 Schreiadlerküken aus Lettland nach Deutschland translokiert und schließlich in Brandenburg in die Freiheit entlassen.

Seit Jahrzehnten ringen Vogelschützer und Wissenschaftler in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern darum, das Aussterben des Schreiadlers zu verhindern. Doch die Schreiadler, die in diesen Tagen Mitte September den Winterzug nach Südafrika antreten, finden kaum noch geeignete Brutreviere. Dies sind ruhige, dichte Wälder die umgeben sind von viel Grünland für die Jagd nach Mäusen und Amphibien.

Der Film von Maren Schibilsky wurde am 26.09.2018 im rbb erstausgestrahlt und wird ein Jahr lang in der Mediathek zur Verfügung stehen. Er spannt einen Bogen von der Entnahme zweitgeborener Küken aus Schreiadlerhorsten in Polen über ihre Aufzucht auf dem Falkenhof Ravensberg bei Potsdam bis zur Auswilderung der Zweitgeborenen in Brandenburger Wäldern.

Hier geht es zum Film „Mission Schreiadler“.