Ein Film über den Schreiadler

Ihre Brutreviere werden wie Staatsgeheimnisse gehütet und ihre Eier sind unter kriminellen Tierhändlern so wertvoll wie ein Kleinwagen. Leider kehren nur noch wenige Schreiadler jedes Frühjahr aus dem Süden Afrikas in die letzten Brutgebiete im Nordosten Deutschlands zurück. Das rbb-Fernsehen dreht nun einen Film über die letzten Schreiadler Brandenburgs. Über ein Adlerjahr hinweg, von April bis September, begleitet ein Fernsehteam Brandenburgs Schreiadlerexperten und kommt dabei den seltenen  Greifvögeln ganz nah.

Der Film wird im Herbst im rbb Fernsehen zu sehen sein. Vorab veröffentlicht der rbb aber regelmäßig Extraberichte und Filmclips zur Ankunft der Schreiadler, ihr Brutgeschehen und die Aufzucht der Jungvögel in einer Auswilderungsstation.

Zu der Internetseite mit den ersten Filmclips  zur Ankunft der Schreiadler gelangen Sie hier.

„Tjück! Tjück!“ Können Sie den Ruf des Schreiadlers von Fisch-, See- oder Schelladler unterscheiden? Ob der kleinste in Deutschland heimische Adler seinem Namen wirklich gerecht wird, lässt sich besser hören als lesen. Der rbb hat dazu passend ein Adlerstimmenquiz auf seiner Internetseite veröffentlicht.

webcam Schreiadler Tierbeobachtung

Adler-TV vor dem Aus: Superstar verzogen

Die Web-Cam läuft noch immer: Bereits am 15. April war das Schreiadlerpärchen zu seinem Nest im Naturreservat Teici zurückgekehrt. Und die Hoffnung war groß, dass auch in diesem Jahr wieder die Brut der Schreiadler vor laufender Kamera beobachtet werden konnte. Doch nun steht Adler-TV 2018 vor dem Aus: Die Protagonisten haben sich leider einen anderen Horst zum brüten ausgesucht. Leider war es unmöglich. an dem neuen Horst eine webCam nachträglich zu installieren, ohne die sensiblen Vögel nachhaltig zu stören. Was bleibt ist der Blick in ein leeres Adlernest und die Hoffnung auf eine neue Brutsaison 2019.

Ein „Best of Adler-TV“ der vergangenen Jahre finden Sie hier.

Hintergrund

Seit dem Frühjahr 2011 unterstützt die Deutsche Wildtier Stiftung ein Schreiadlerprojekt in Lettland, bei dem das Brutgeschehen an zwei dortigen Schreiadlerhorsten in Echtzeit in das Internet übertragen wird. Im Frühjahr vor der Ankunft der Schreiadler installiert dafür der lettische Schreiadler-Experte und Kooperationspartner der Deutschen Wildtier Stiftung Dr. Uģis Bergmanis an zwei bekannten Horsten je eine versteckte Kamera. Die versteckte Kamera in gut zehn Metern Höhe dokumentiert wie aus einem seltenen Greifvogel-Küken ein stolzer Adler wird. Doch es geht nicht nur um schöne Bilder, sondern um handfeste Forschung: Die Übertragung ist Teil eines Projektes der Joint Stock Company “Latvijas valsts meži”, der Staatlichen Forstverwaltung in Lettland, bei dem die Nahrungszusammensetzung für Schreiadler-Küken untersucht wird.

 

 

GPS-Telemetrie, Greifvögel, Senderdaten

Zugvögel unterwegs nach Europa

Sie sind aufgebrochen und unterwegs gen Norden: Die Schreiadler und vor ihnen viele andere Zugvögel haben in den vergangenen Tagen und Wochen ihre Winterquartiere im südlichen Afrika verlassen und sind auf der Heimreise nach Europa. Ob Magnus, Jaan, Karin oder Mait: Die Zugroute von vier Schreiadlern kann in den nächsten Wochen detailliert verfolgt werden. Sie alle wurden von Ornithologen in Estland mit einem Sender ausgestattet und ihre Ortungsdaten werden auf der Internetseite birdmap ständig aktualisiert.

birdmap

Bis die Schreiadler ihre Brutgebiete in Europa erreicht haben, sind sie mindestens 65 Tage unterwegs. Das ist auch für einen Vielflieger unter den Zugvögeln kein Spaziergang! Unterwegs legen sie daher regelmäßig längere Flugpausen ein um sich mit Nahrung zu stärken. Ihre bevorzugte Beute sind kleinere Vögel wie beispielsweise die Blutschnabelweber. Sie sind zwölf Zentimeter groß und leben in den Savannen Afrikas. Sie liefern Magnus – und all den anderen Schreiadlern auf ihrem Frühjahrszug Richtung Europa – die nötige Energie für den Langstreckenflug. Neben Nahrungsmangel und Windparks bedroht auch die illegale Jagd den Langstreckenzieher. In manchen Ländern Afrikas und des Nahen Ostens sind Greifvögel noch immer als Trophäe sehr beliebt.

Adler „on Tour“ – zum Nestbau ab nach Deutschland

Schutz der Brutgebiete sichert dem gefährdeten Schreiadler das Überleben

Hamburg, 6. März 2018. Achtung, Adler im Anflug! Auf eines ist doch wenigstens Verlass: Jedes Jahr im März durchqueren die Schreiadler den afrikanischen Kontinent von Süd nach Nord, um Anfang April ihre Brutgebiete in Deutschland zu erreichen. Die meisten von ihnen fliegen sogar noch weiter, vor allem ins Baltikum, wo die meisten Schreiadler brüten. Die standorttreuen Greifvögel folgen in den kommenden Wochen der immer gleichen Zugroute: Aus dem Süden Afrikas nach Norden entlang des ostafrikanischen Grabens, über den Suezkanal und weiter entlang der Küstenlinie Israels, des Libanons und der Türkei über den Bosporus nach Europa. Wer den 10.000 km langen und gefahrvollen Zug der kleinsten in Deutschland brütenden Adlerart mitverfolgen möchte, kann dies auf mehreren internationalen Internetseiten tun.

Kaum im angestammten Brutgebiet angekommen, stehen Hochzeit und Eigenheimsanierung auf der ToDo-Liste des Schreiadlers. Das ist ein anspruchsvolles Unterfangen. „Seinen Horst baut der Schreiadler nur in sehr dichten Wäldern. Hat sich seit seinem Abflug im September das Umfeld stark verändert, fackelt er nicht lange und verschwindet“, erklärt Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung. Durch intensive Land- und Forstwirtschaft und Windkraftanlagen in Horstnähe werden leider immer wieder bisher geeignete Brutgebiete zerstört. „Jedes Jahr müssen einige Schreiadlerpaare in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ihr angestammtes Brutgebiet aufgeben, weil sich der Lebensraum dort stark verschlechtert hat“, so Kinser.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: In den letzten zwei Jahren wurden in Mecklenburg-Vorpommern etwa 20 neue Ansiedlungen festgestellt. Dabei wurden entweder zwischenzeitlich aufgegebene Brutgebiete wiederbesiedelt oder aber neue Lebensräume erschlossen. Allerdings ist das keine Entwarnung: „Wir beurteilen die Neunsiedlungen vorsichtig und müssen abwarten, ob sich daraus stabile Brutpaare für die Zukunft entwickeln“, sagt Dr. Wolfgang Scheller, der in Mecklenburg-Vorpommern die Zählungen des Schreiadlers koordiniert. „Die Gefahr, dass neubesiedelte Lebensräume nach kurzer Zeit wieder aufgegeben werden, ist groß“, so Scheller weiter. In den meisten Brutgebieten beobachten die Ornithologen eher eine weitere Verschlechterung der Lebensbedingungen. Um einen echten Trendwechsel für den Schreiadler herbeizuführen, bedarf es daher mehr als vereinzelter Schutzprojekte. „Wirklich substanzielle Veränderungen für die Artenvielfalt in unseren Landschaften werden erst gelingen, wenn Landwirte und Förster mit Natur- und Artenschutz ein Einkommen erzielen können“, so Andreas Kinser. Die aktuell anstehenden Verhandlungen zur Neugestaltung der Agrarpolitik der Europäischen Union bieten dazu die beste Gelegenheit.

Horstschutz für den Schreiadler

Die Zahl der Schreiadler hat sich im Land Brandenburg in den letzten Jahren auf niedrigem Niveau stabilisiert – das bestätigte Dr. Torsten Langgemach von der Vogelschutzwarte Brandenburg gegenüber der Märkischen Oderzeitung. In Brandenburg brüten seit über 10 Jahren jedes Jahr etwas mehr als 20 Brutpaare von Clanga pomarina, in Mecklenburg-Vorpommern dagegen noch knapp 100. Insgesamt nehme in Brandenburg mit Ausnahme des Schwarzstorches die Zahl anderer Großvögel wie See- und Fischadler oder Uhu in den Wäldern zu. Ein Grund ist für Langgemach auch der spezielle Horstschutz, der bereits in den 1960er-Jahren eingeführt wurde. Darin ist unter anderem geregelt, dass im Umkreis von 100 Metern keine Bestockung abgetrieben werden darf und bis zu 300 Meter um einen Horst herum zwischen Februar und August keine Maschinen eingesetzt werden dürfen.

Entschädigung für Horstschutz im Wald?

Der Schutz der Horste ist jedoch nicht konfliktfrei. Brandenburgs Waldbesitzer fordern nun vom Land Ausgleichszahlungen für die eingeschränkte Nutzung ihrer Flächen. Gregor Beyer, Geschäftsführer des Forum Natur, berichtet von Eigentümern, auf deren Fläche sich mehrere Adlerhorste befinden und die dadurch erhebliche Einschränkungen bei der Nutzung des Waldes hinnehmen müssen. Der Bewirtschafter, so Beyer, werde bestraft, sobald eine Fläche zum Beispiel von Schreiadlern besiedelt wird. Ähnlich wie beim Vertragsnaturschutz für extensive Bewirtschaftung von Wiesen fordert Beyer einen Ausgleich für Waldbesitzer, die auf die Holznutzung zugunsten des Schreiadlers verzichten.

Den vollständigen Artikel in der MOZ finden Sie hier.

In einer aktuelle „Kleinen Anfrage“ zum Horstschutz in Brandenburg offenbart die Landesregierung erhebliche Unkenntnis über den Vollzug und die möglichen Konflikten bei den gesetzlichen Regelungen zum Horstschutz. Nicht nur, dass die Landesregierung keine Kenntnis darüber hat, wie viele Horste sich im Landes-, Privat- und Körperschaftswald befinden. Der Landesregierung fehlen darüber hinaus detaillierte Daten über Verstöße gegen den Horstschutz im Land. Entschädigungsmöglichkeiten für Einschränkungen bei der Waldbewirtschaftung sind ebenfalls nicht vorgesehen.

Die Antwort auf die „Kleine Anfrage“ zum Horstschutz in Brandenburg vom 15. Januar 2018 (Nr. 3171) finden Sie hier.

In Mecklenburg-Vorpommern erhalten Privatwaldbesitzer anders als in Brandenburg bis zu 200 € pro Hektar und Jahr, wenn sich auf ihrem Grund ein Schreiadlerhorst in einem EU-Vogelschutzgebiet befindet (Natura-2000-Ausgleich). Diese Maßnahme für den Horstschutz könnte ein Vorbild für das Land Brandenburg sein.

Schreiadler Fotoausstellung

Schreiadler hat Niedersachsen erreicht

Der Schreiadler hat Niedersachsen erreicht – zumindest das Norddeutsche Vogelmuseum in Osterholz-Scharmbeck . Seit dem 21. Oktober und noch bis ins kommende Frühjahr ist die Fotoausstellung der Deutschen Wildtier Stiftung zum Schreiadler hier zu sehen. Norbert Nowka, Vogelobmann des Vereins „Freunde und Förderer der Museumsanlage Osterholz-Scharmbeck“ gelang es, die Ausstellung der Stiftung ins Norddeutsche Vogelmuseum zu holen. Neben den faszinierenden Fotos der vom Aussterben bedrohten Greifvögel wird auch ein Präparat des Schreiadlers gezeigt, das sich seit Urzeiten im Fundus des Museums befand und extra für die Eröffnung vom Präparator Andreas Vollprecht restauriert worden ist. „Früher war der Schreiadler in unseren Breiten vertreten“, berichtete Norbert Nowka bei der feierlichen Ausstellungseröffnung. „Ob er hierher zurückkommt, wage ich zu bezweifeln.“

Einen Bericht über die Ausstellungseröffnung finden Sie hier.

Die Ausstellung „Der Schreiadler im Fokus“ ist noch bis zum 1. April in der Museumsanlage Osterholz-Scharmbeck (Telefon 0 47 91 / 13 105) zu betrachten. Weitere Informationen zum Museum und die Öffnungszeiten finden Sie hier.

Buchenwald im Gegenlicht

Deutsche Wildtier Stiftung trauert um Dr. Peter Wernicke

Die Deutsche Wildtier Stiftung trauert um Dr. Peter Wernicke, den Leiter des Naturparks Feldberger Seenlandschaft und langjährigen Projektpartner der Stiftung im Schreiadlerschutz. Peter Wernicke wurde am 8. September nach mehrtägiger Suche tot in einem See nahe seinem Wohnort aufgefunden. Die Polizei geht von einem tragischen Unglücksfall aus.

Peter Wernicke war weit über die Grenzen „seines“ Naturparks hinaus ein leidenschaftlicher Kämpfer für den Natur- und Artenschutz. Er war ein großartiger Ornithologe und Wildtierfotograf, der niemals den Blick fürs Ganze verlor. Seit 2007 hat die Deutsche Wildtier Stiftung mit ihm beim Schutz des Schreiadlers zusammengearbeitet. Er hat die Stiftung maßgeblich bei der Auswahl der Untersuchungsgebiete im E+E-Hauptvorhaben zum Schutz von Schreiadler-Lebensräumen beraten und viele Kontakte zu den Landbewirtschaftern eröffnet. Seine herausragenden Fotos haben die Kommunikation der Deutschen Wildtier Stiftung rund um den Schreiadler geprägt: 2009 hat die Stiftung seinen Fotoband „Schreiadler. Vogel ohne Lebensraum“ mit Vorwort und Logo begleiten dürfen und die 2015 eröffnete Fotoausstellung zum Schreiadler basiert wesentlich auf den Aufnahmen von Peter Wernicke. 2013 war er es, der einen Prozess initiierte, an dessen Ende knapp 50 ha naturschutzfachlich wertvoller Flächen in Schreiadler-Lebensräumen langfristig gesichert werden konnten.

Der frühe Tod von Dr. Peter Wernicke wird der Deutschen Wildtier Stiftung Verpflichtung und Ansporn sein, ihr Engagement zum Schreiadler in seinem Sinne fortzusetzen.

Schreiadler Webcam Lettland

Best of Adler-TV 2017

Es gab Gute Zeiten, schlechte Zeiten, jede Menge Leben aber zum Glück keine Verbotene Liebe! Die Daily Soap aus dem lettischen Schreiadlerhorst ist für dieses Jahr mit einem großen Erfolg ausgelaufen: Der Schreiadler-Jungvogel, der seit Anfang Juni die Zuschauer der Webcam täglich in Atem hielt, ist ausgeflogen und wahrscheinlich bereits auf dem Weg in sein Winterquartier im südlichen Afrika. Die Webcam war Teil eines Projektes der Staatlichen Forstverwaltung in Lettland  und wurde von dem Schreiadler-Experten Ugis Bergmanis installiert und betreut.

Alles begann planmäßig: Anfang April trafen Schreiadler-Weibchen und Männchen kurz nacheinander in Lettland ein und begannen, den Horst für die neue Brutsaison zu flicken, umzubauen und mit frischen Zweigen zu schmücken.

9. April 17: Schmücken des Horstes

Weil der Mai in Lettland dann aber ebenso kalt wurde wie bei uns in Deutschland gab es eigentlich nur wenig Hoffnung, dass die Schreiadler vor einer Kameralinse von Adler-TV wirklich zur Brut schreiten würden. Doch am 5. Mai lag das erste Ei im Schreiadler-Nest. Seitdem verließ die Adlerdame das Nest nur noch sehr selten und wurde vom Männchen regelmäßig mit Nahrung versorgt und, wenn nötig, vor Feinden geschützt.

7. Mai 17: Ein ungebetener Gast 

18. Mai 17: Das Männchen füttert das brütende Weibchen 

Am 8. Juni konnten schließlich doch tolle Aufnahmen vom Schlupf des Jungvogels per livestream beobachtet werden.

8. Juni 17: Küken aus dem Ei!

8. Juni 17: Erst zwei Stunden alt

In den Wochen nach dem Schlupf wurde das Küken von seinen Eltern gehegt und gepflegt und vor allem gefüttert. Der verfressene „Halbstarke“ verschlang alles, was die Altvögel ihm servierten: Frösche und Kröten, Mäuse und Maulwürfe. Von Tag zu Tag wurde das Küken größer.

24. Juni 17: Fütterung I.

12. Juli 17: Fütterung II.

Mitte Juli gab es dann einen großen Aufreger am Schreiadler-Horst: Mit Seilen gesichert erklomm Ugis Bergmanis den Schreiadler-Horst um den Jungvogel zu Beringen. Selbstverständlich wurde dem Kleinen dabei kein Haar gekrümmt und im August war aus ihm ein strammer Nestling geworden, der seine ersten Flugversuche unternahm.

15. Juli 17: Beringung durch Ugis Bergmanis von der Lettischen Staatsforstverwaltung

Schreiadler Webcam Lettland

22. Juli 17: Fütterung  III.

Ende August kam der bereits selbstständige Jungvogel noch einmal in den mittlerweile verwaisten Horst.

27. August 17: Ein letztes Mal am Horst

Spätestens Mitte August wird sich der Jungvogel endgültig auf die Reise machen und ohne seine Eltern den langen Weg ins südliche Afrika antreten. Wenn alles klappt, erreicht er im November sein Winterquartier und kehrt dann Anfang April 2018 in seine Heimatregion in Lettland zurück. Mit etwas Glück landen seine Eltern dann wieder direkt vor der Webcam ihres Horstes und beginnen eine neue Brut.

Mehr zu dem Projekt der Lettischen Staatsforstverwaltung und ein Best of Adler-TV der vergangenen Jahre finden Sie hier.

Schreiadler auf Boden

800 Fußballfelder für den Schreiadler

Nein: Er kann nicht Fußball spielen! Obwohl er manchmal, wenn er zu Fuß seine Beute jagt, watschelt wie es einst Maradona tat, hat der Schreiadler rein gar nichts mit Fußball zu tun. Ganz im Gegenteil: Auf den wenigsten Fußballfeldern würden Schreiadler von Mäusen satt werden und überhaupt wäre ihnen der Rummel rund um den Platz viel zu lästig. Trotzdem ist kurzrasiges Grün für ihn überlebenswichtig, denn er jagt gerne auf frisch gemähten Wiesen. Und genau solche Lebensräume hat die Deutsche Wildtier Stiftung in einem Artenschutzprojekt für ihn in den vergangenen Jahren geschaffen. „Durch unser Projekt in Mecklenburg-Vorpommern haben wir fast 450 Hektar Lebensraum im Sinne des Schreiadlers gestaltet“, sagt Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung und ergänzt: „Das entspricht einer Fläche von etwa 800 Fußballfeldern.“

Um den Schreiadler in Deutschland vor dem Aussterben zu bewahren, hat die Deutsche Wildtier Stiftung seit 2010 gemeinsam mit Land- und Forstwirtschaft erprobt, wie bei der Flächenbewirtschaftung Rücksicht auf den Schreiadler genommen werden kann. Gefördert wurde dieses Projekt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und das Land Mecklenburg-Vorpommern. „Fast 1 Million Euro wurde in die Verbesserung der Schreiadler-Lebensräume investiert“, sagt Dr. Sandra Balzer vom Bundesamt für Naturschutz, die das Projekt begleitet hat. „Dafür wurden sowohl für das Nahrungshabitat der Schreiadler als auch für den Brutwald mit den Bewirtschaftern Nutzungsänderungen und entsprechende Ausgleichszahlungen vereinbart. Die erprobten Maßnahmen können nun zukünftig auch in anderen Brutgebieten des Schreiadlers in Deutschland angewandt werden“, so Balzer weiter.

Heute werden in den Untersuchungsgebieten im Naturpark Feldberger Seenlandschaft und im Landkreis Rostock insgesamt 149 Hektar Ackerland, 71 Hektar Grünland und 225 Hektar Wald im Sinne des Schreiadlers bewirtschaftet. Ackerkulturen wurden dafür nach der Ernte zum Beispiel für mehrere Jahre in Grünland umgewandelt. Auf diesen Flächen verzichten die Landwirte heute auf chemischen Pflanzenschutz und hohe Düngegaben. Hier leben viele Beutetiere des Schreiadlers und in der niedrigen Vegetation kann er sie erfolgreich jagen und seine Jungen im Sommer satt bekommen. Für den Wald wurde durch das Projekt gemeinsam mit der Landesforst von Mecklenburg-Vorpommern eine Richtlinie entwickelt und umgesetzt, durch die Brutwälder des Schreiadlers forstwirtschaftlich genutzt werden können und gleichzeitig den besonderen Ansprüchen des Schreiadlers genügen.

Hintergrund
Das Projekt mit dem offiziellen Titel „Sicherung und Optimierung von Lebensräumen des Schreiadlers in Mecklenburg-Vorpommern“ wurde als sogenanntes Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E) vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums durch das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Klara Samariter-Stiftung gefördert und Ende 2016 erfolgreich abgeschlossen. Partner der Deutschen Wildtier Stiftung waren der Naturpark Feldberger Seenlandschaft, das Büro Salix und das Büro natura et cultura. Das Ergebnis des Projektes ist ein Modell, das auf alle noch vorhandenen Brutgebiete in Deutschland übertragen werden kann. Unter anderem haben die Projektpartner auch Vorschläge für eine Schreiadler-gerechte Gestaltung von öffentlichen Förderinstrumenten erarbeitet.

Winterzug Jungvögel Schreiadler

Neue Erkenntnisse zum Winterzug von jungen Schreiadlern

Die Deutsche Wildtier Stiftung hat mit finanzieller Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) das Projekt „Jungvogelmanagement“ (2006 – 2011) durchgeführt. Die Partner des damaligen Projektes haben nun die wissenschaftlichen Auswertungen zum Zugverhalten junger Schreiadler im angesehenen Journal of Experimental Biology veröffentlicht. Und die Forschungsergebnisse der über 50 im Projekt telemetrierten Schreiadler lassen sich sehen: Das Team hat herausgefunden, dass junge Schreiadler auf den Anschluss an erfahrene Altvögel angewiesen sind, um die beste Zugroute über den Bosporus ins südliche Afrika zu finden. Allein ziehende Jungadler aus Deutschland zogen dagegen tendenziell eher in Richtung Süden und verendeten dann zwischen Italien und Afrika im Mittelmeer.

Und noch ein weiteres Phänomen wurde durch das Projekt der Deutschen Wildtier Stiftung beobachtet: „Importierte“ Jungadler, die in Lettland aus dem Horst entnommen und in Deutschland per Hand aufgezogen wurden, betrachten die Region ihrer Auswilderung als ihr angestammtes Brutgebiet und nicht ihren Geburtsort. Einige der aus Lettland importierten Jungvögel wurden nämlich später als Brutvögel in Deutschland und Polen beobachtet. Ein in Lettland geborenes und später in Brandenburg ausgewildertes Männchen besetzte in den Folgejahren sogar ein Revier in nur wenigen Kilometern Entfernung von der Auswilderungsstation.

Zu dem Abschlussbericht des Projektes „Jungvogelmanagement“ gelangen Sie hier.

Zu der Veröffentlichung im Journal of Experimental Biology gelangen Sie hier.

 

Hintergrund

Ziel des Projektes Jungvogelmanagement war, den Bruterfolg der Schreiadler kurzfristig zu erhöhen, bis mittelfristig andere Schutzbemühungen zum Erfolg führen. Darüber hinaus sollte mit Hilfe der Telemetrie der Erfolg der Jungvogelaufzucht überprüft und dokumentiert werden. Um die Anzahl „gemanagter“ Jungvögel zu erhöhen, wurden zweitgeborene Jungvögel, die in freier Natur keine Überlebenschance haben, in Lettland aus den Horsten entnommen, in Deutschland von Hand aufgezogen und schließlich nahe der Aufzuchtstation ausgewildert.

Die Ergebnisse der Telemetrie haben gezeigt, dass der Streuwinkel beim Abzug der Jungvögel im Gegensatz zu dem der Altvögel sehr groß ist. Als einer der Gründe für den breiten Streuwinkel wurde bereits im Abschlussbericht des Projektes diskutiert, dass auch das Sozialverhalten ausschlaggebend für die Wahl der Zugroute sein kann. Beobachtungen aus Israel zeigen, dass sich Schreiadler auch mit anderen Zugvögeln wie Schlangen- oder Schelladlern vergesellschaften.

Für die jungen Schreiadler aus Deutschland ist der ungerichtete Zug ein größeres Problem als für jene, die in Polen oder weiter östlich aufgewachsen sind. Denn wenn ein „deutscher“ Schreiadler nach Süden oder Süd-Westen zieht, ist er bereits schnell außerhalb der Schreiadler- Brutgebiete und hat nur sehr geringe Chancen, auf einen weiteren Schreiadler zu treffen, der die süd-östliche Zugroute wählt. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind die Verluste beim Jungvogelzug sehr groß: insgesamt erreichten nur 55  % der Jungvögel Afrika. Indirekt ist die Wahl der südlichen oder süd-westlichen Abzugsrichtung auch die häufigste Todesursache der Jungvögel.

Für den nachhaltigen Erfolg des Jungvogelmanagements ist die Rückkehr der Jungadler in ihre Brutgebiete von besonderem Interesse. Mit Hilfe der Telemetrie konnte gezeigt werden, dass sich die Jungvögel im zweiten Lebensjahr häufig weit entfernt vom ursprünglichen Brutgebiet aufgehalten haben. Im Fall eines ungemanagten Jungadlers hat sich der Vogel fast drei Monate in Weißrussland aufgehalten und ist erst zum Ende der normalen Aufenthaltsphase nach Deutschland gekommen. Im

Jahr 2014 gab es dann einen schönen nachträglichen Erfolg aus dem Projekt zum „Jungvogelmanagement“: Ein im Projekt „gemanagter“ Jungvogel, der seine ersten Lebensmonate in menschlicher Obhut verbrachte, hat erstmals in Brandenburg erfolgreich gebrütet. Er ist 2009 in Lettland geschlüpft, wurde in eine Aufzuchtstation nach Brandenburg gebracht und dort im Spätsommer des gleichen Jahres ausgewildert. 2011 kehrte „KN“ erstmals wieder zur Auswilderungsstation zurück und brachte 2012 sogar ein Weibchen mit. 2013 adoptierte „KN“ einen ausgewilderten Jungadler – für eigenen Nachwuchs war er da noch zu jung. 2014 folgte schließlich unweit der Auswilderungsstation die erste erfolgreiche Aufzucht eines Jungvogels durch „KN“.